Anathem
Anathem ist der Titel des neuen Buches von Neal Stephenson. Stephenson gehört nach seinen Büchern Snow Crash, Cryptonomicon und der Barock-Triologie zu meinen Lieblingsautoren: ihm gelingt es, spannende Theorien und philosophische Gedanken in einer packenden Handlung zu erzählen. Das ist auch das Ziel des Fantasy-Romans Anathem.
Auf dem Planeten Arbre (der, wie sich später herausstellt, in einem parallelen Kosmos zu Laterre, der Erde, existiert) herrscht eine strenge Trennung zwischen den avout, Naturwissenschaftlern die wie Mönche in einem abgeschlossenen Konvent leben, und den saeculars, welche außerhalb der Klöster in einer Welt leben von der man nie so recht weiß ob sie einfach als Karrikatur des modernen Amerika oder doch als Endzeit-Szenario zu verstehen sei. Um in einem atheistisch-mystischen Unterfangen die theoretischen Tiefen der Physik, Philosophie und Kosmologie zu ergründen, sperren sich die avout in verschiedenen Orden für ein, zehn, hundert oder gleich tausend Jahre in ihr Kloster ein. Stephenson verspottet die schnelllebige Informationsgesellschaft, als Leser wird man von dem langsamen Tempo der Handlung immer wieder überrascht.
Gleichzeitig führt Stephenson den Leser in die Welt der modernen und weniger modernen Naturwissenschaft ein, in der neben Platonismus, Monaden, multi-kosmischen Realitätsmodellen, Nanotechnologien auch eine Vielzahl wissenschaftstheoretischer Überlegungen zur Sprache kommen.
Der spannende Plot und die unzähligen Ideen des Autors machen Anathem zu einem großartigen Buch. Wer sich von fast tausend Seiten fiktionaler Welt nicht abschrecken läßt, dem sei die Lektüre dringend ans Herz gelegt.
p.s. Auf der Webseite des Buches gibt es auch ein Video des Autors, der die Definition des arbrischen Begriffs “bulshytt” vorliest. Da bulshytt in diesem Blog oft als Tag zum Einsatz kommt, hier der Link.
