DiKo: E-Portfolios sind mehr?

October 21st, 2008  | Tags: , , , ,

Der erste Educast der Vorlesung Digitale Kommunikation setzt sich mit dem Thema E-Portfolios auseinander.  Klaus Himpsl von der Universität Krems stellte das Thema als Gastdozent per Flash-Podcast vor.

  • Zunächst werden einige EU-Projekte zum Thema lebenslanges Lernen u. E-Portflios vorgestellt, deren Relevanz zunächst nicht offensichtlich wird: Wir wollen verstehen was es ist, nicht dass es sieben Milliarden kostet ;-)  
  • Ziel eines E-Portfolios soll der (reformpädagogische) Wechsel von der Leistungsfeststellung zur Leistungsdarstellung sein. Mir ist leider undeutlich wieso eine Kontrolle der vorhandenen “Defizite” abzulehnen ist und wie genau eine Kompetenzorientierung zu einer Bewertung der Lernleistung beiträgt. 
  • Metalernen und ein Fokus auf den Lernprozess leuchten zunächst ein, meine Frage ist jedoch: wie verhindere ich, dass der Prozess das Ergebnis in der Aufmerksamkeit verdrängt? Das Ziel Literacy zu lehren ist plausibel - aber zu welchem Preis? Mediatisiertes Lernen ist immer hauptsächlich Medien-lernen und damit gerät - zumindest in meiner Erfahrung - oft das eigentliche Ziel schnell aus den Augen. 
  • Die zentrale Gliederungsfolie steht in ihrere Mehrdimensionalität einigen heftigeren Versionen der physischen Welttheorien nichts nach (11 Dimensionen, nach letzter Schätzung). Ob hier Möglichkeiten, Argumente oder Buzzwords gesammelt werden ist mir noch nicht ganz klar. 
  • Die Vorstellung von E-Portfolios in Unternehmen scheint mir ein wenig spooky - hier wird eine Form der persönlichen Transparenz behandelt mit der ich mich nicht zu schnell anfreunden kann. Natürlich brauchen Manager (usw.) eine Möglichkeit die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter einzuschätzen - ob für diesen Prozess jedoch ein E-Portfolio-Striptease notwendig ist? Vielleicht sollte acuh grade hier auf eine externe Einschätzung zurückgegriffen werden. 
  • Der rapide Zerfall des Begriffs E-Portfolio nach der “Was ist es?“-Frage ist eindrucksvoll. Die “eine Homepage auf der ich sage was ich kann und auf die Beweise verlinke“-Definition drängt sich doch ein wenig auf. 
  • Idee: gibt es parallelen zwischen E-Portfolios und Code Review? Ist Crucible ein Lerntool? Das wiederspricht zwar ein wenig dem laissez-faire Prinzip eines Lernenden-Blogs, macht aber aus Perspektive eines Schulbetriebs vielleicht durchaus Sinn?
  • Making learning visible ist eine nette Pointe, die auch gleich die beiden zentralen Fragen irgendwie mit aufwirft: Bedeutet visible gleichzeitig better? Mein Verdacht ist: ja, aber die Vorlesung war eher auf den Präsentationspart fokussiert als auf den pädagogischen (oder hab ich was verpasst?). Zum anderen: wie gut kann die Sichtbarkeit meines Lernens aus meiner Lernaktivität ohne mein Zutun abgeleitet werden?Letztlich will ich ja kein Präsentationsportfolio anlegen, sondern ich will, dass mein Arbeitsportfolio in einer anderen Sichtweise extern zur Präsentation dienen kann. 

Insgesamt eine schöne Einführung in die E-Portfolios, die deren Nutzen als Präsentations- und Dokumentationstools gut darstellt aber m.E. ein bisschen zu wenig auf pädagogische Grundlagen eingeht.

  1. October 30th, 2008 at 19:09
    Reply | Quote | #1

    Hallo Friedrich,

    zunächst einmal hoffe ich, es passt für dich, wenn wir uns duzen!

    Und dann gleich ein Kompliment für deinen unmittelbaren und sehr treffenden Kommentar zu meinem Educast - du sprichst in der Tat exakt die kniffligen Punkte an und bringst gleichzeitig sehr gute eigene Ideen! Etliche der Punkte bedürfen sicher einer ausgiebigeren Diskussion, die im Rahmen der LV ohnehin stattfinden wird, aber zu einigen möchte ich doch gleich ein paar Anmerkungen machen:

    1. Selbstverständlich stellt die reformpädagogische Dimension einen wichtigen Schwerpunkt dar, zu dem allein ein ganzer Vortrag möglich wäre, aber das war nicht meine Intention. Wenn dich das am meisten interessiert, empfehle ich eine Vertiefung in die Arbeiten von Felix Winter, Thomas Häcker oder auch Ilse Brunner. Gegen eine “Kontrolle von vorhandenen Defiziten” wäre grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sie nicht schleichend dazu führen würde, dass wir - Lehrende wie Lernende - uns auch im Lernprozess daran orientieren, mit negativen Auswirkungen auf die Motivation, das Leistungsvermögen, der Freude am Lernen und damit insgesamt der Lernkultur. Durchaus vorhandene Lernerfolge treten in den Hintergrund, nur weil sie gerade nicht in das vorhandene Schema der “Defizitausgleichung” passen … Positiv formulierte Lernziele in Form von “Can do”-Statements leisten hinsichtlich einer Qualitatssicherung des Lernerfolgs das Gleiche und vermeiden die Nachteile der Defizitorientierung.

    2. Ad Metalernen und Literacy: die Zielorientierung als wesentliches Element der Portfolioarbeit verhindert eben genau, dass wir das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren! Literacy wird nicht gelehrt, sondern in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernprozess und der Gestaltung des eigenen Portfolios nach und nach erworben - teilweise bei der Gestaltung und Zugriffsregelung auf das Portfolio eher implizit beim Anstreben anderer Ziele, teilweise durch bewusste Auseinandersetzung mit den Fragen “Was heißt Reflexion beim Lernen?” oder “Was ist mit Medienpartizipation gemeint?”. Der Umgang mit diesen Fragen hängt natürlich stark vom Alter der Lernenden ab.

    3. Die zentrale Gliederungsfolie soll die Bedeutung des Vortragstitels erklären und in Form einer Mindmap den Überblick über das Thema E-Portfolio und dessen Verflechtungen erklären - mehr kann sie natürlich nicht leisten und würde ich auch nicht behaupten. Hinsichtlich einer theoretischen Grundlagenarbeit und Modelle für E-Portfolios arbeiten wir seit etwa zwei Jahren an einer Taxonomie, die unserer Software-Evaluation zugrunde liegt und sich teilweise in der Folie der Portfolioarten wiederspiegelt.

    4. Der Kritikpunkt hinsichtlich der Portfolios in Unternehmen ist absolut gerechtfertigt - aber eben nur dann, wenn die E-Portfolios im Sinne eines Striptease eingesetzt werden, wie du es provokant andeutest. Dass es nicht so weit kommt, hängt stark von der Unternehmenskultur insgesamt, der Mitarbeiter/innenführung, dem Kompetenzmanagement etc. ab - das Portfolio bietet aber in meinen Augen in Verbindung mit sonst üblichen HR Management-Methoden den Vorteil, dass ICH SELBST viel stärker beeinflussen kann, wie ich in meinem Arbeitsumfeld gesehen werde und werden will, und über das Feedback auch Meinung von Kollegen/Kolleginnen und Vorgesetzten einfließen kann.

    5. Die Kritik an den Beispielportfolios stimmt ebenfalls: die öffentlich zugänglichen sind in der Regel so, wie du schreibst! Aber das hängt meiner Meinung nach mit zwei Dingen zusammen: a) Portfolios aus bestimmten Lehr-/Lernkontexten sind meist eben nicht zugänglich und auch nur im Originalzusammenhang (Portfoliozweck!) verständlich, also Außenstehenden eig. gar nicht wirklich vorzeigbar b) Solange lediglich ein Personal Homepage Tool dafür verwendet wird, wird dieser Fokus auch bleiben - deshalb ist für mich auch die Frage so spannend, wie die “Kommunikation” meines Portfolios mit anderen Softwaretypen, sozialen Netzwerken, etc. diese Darstellung verändert, weil hier die Rückmeldung von anderen und meine Auseinandersetzung damit noch einmal ein völlig anderes Bild meiner selbst wiedergibt … meine “soziale Reputation” in solchen Netzwerken hängt ganz wesentlich davon ab, wie ich mich einbringe, welche Werte ich vertrete etc., also mehr, wie ich wirklich bin und handle als wie ich mich - in einem Hochglanzportfolio - gerne sehen würde.

    6. Dazu passt hervorragend deine Idee der Code Review: Wie oben schon angedeutet ist Peer Review ein ganz entscheidender Faktor für die Entwicklung einer “digitalen Identität” mit Hilfe meines E-Portfolios, und ohne das Tool “Crucible” zu kennen, könnte ich mir gut vorstellen, dass es genau in diese Richtung geht - natürlich nur für einen bestimmten Zweck beim Erlernen des Programmierens.

    7. “Visible” bedeutet sicher nicht zwangsläufig “Better”, aber ich möchte als Beispiel eine Erfahrung aus meiner Zeit als Mathelehrer wiedergeben, die ich mehr als einmal gemacht habe: im traditionellen Unterrichtssetting - zumal wenn es nicht gerade von Methodenvielfalt geprägt ist - werden für mich als Lehrenden in erster Linie die Lernergebnisse von denjenigen Lernenden sichtbar, die sich am schnellsten und am besten an “meinen Stil” anpassen können; diese prägen mein Bild, auch hinsichtlich der Beurteilung der Qualität meines Unterrichts. Welche Überraschungen habe ich oft erlebt, wenn die Lernmethode, die Aufgaben, die “provozierten” Lernergebnisse einmal völlig anders aussahen? Obligatorisch von mir als “eher schwach” abgestempelte Schüler/innen zeigten plötzlich ungeahnte Kompetenzen - auch hinsichtlich der mathematischen Fachkompetenzen!

    Ich wage zu behaupten: Mit der Portfolioidee gelingt es mit Sicherheit, diese vielfältigen Lernergebnisse besser sichtbar zu machen und somit den individuellen Lernerfolgen ALLER Lernenden in einer Gruppe gerechter zu werden.

    Herzliche Grüße nach Ilmenau
    Klaus

  2. December 14th, 2008 at 17:36
    Reply | Quote | #2

    Hi!
    My name is Jessika!

  3. December 30th, 2008 at 13:05
    Reply | Quote | #3

    IGLnSn Thanks for good post

  4. January 4th, 2009 at 14:28
    Reply | Quote | #4

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  5. January 4th, 2009 at 14:44
    Reply | Quote | #5

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  6. January 4th, 2009 at 14:57
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  7. January 8th, 2009 at 16:20
    Reply | Quote | #7

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  8. January 8th, 2009 at 16:43
    Reply | Quote | #8

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