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	<title>pudoblog &#187; digitalisierung</title>
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	<description>friedrich lindenberg&#039;s weblog</description>
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		<title>Liquid Democracy</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 18:29:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedrich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit bald zwei Monaten habe ich mich mittlerweile der Liquid Democracy verschrieben. Deren Ansatz ist es, Demokratie nicht als heilige Staatsform, sondern als ein besonders erfolgreiches Muster sozialer Koordination zu verstehen. Wie kann man es vielen Leuten erlauben, gemeinsam an Entscheidungen über ihr Zusammenleben mitzuwirken?
Diese Frage hat natürlich viele Antworten, die meisten davon gehen aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit bald zwei Monaten habe ich mich mittlerweile der <a href="http://www.kuro5hin.org/story/2003/7/16/201556/896">Liquid Democracy</a> verschrieben. Deren Ansatz ist es, Demokratie nicht als heilige Staatsform, sondern als ein besonders erfolgreiches <a href="http://designingsocialinterfaces.com/patterns.wiki/index.php?title=Main_Page#Social_Patterns_.26_Best_Practices">Muster sozialer Koordination</a> zu verstehen. Wie kann man es vielen Leuten erlauben, gemeinsam an Entscheidungen über ihr Zusammenleben mitzuwirken?<span id="more-201"></span></p>
<p>Diese Frage hat natürlich viele Antworten, die meisten davon gehen aber von einer <strong>analogen Welt</strong> aus: direkte Kommunikation zwischen den Bürgern ist schwer; Andere mit gleichen oder ähnlichen Interessen zu finden ist schwer; Menschen zu koordinieren ist schwer. Deshalb kommt man zu Konstrukten wie der repräsentativen Demokratie: <a href="http://www.bundestag.de">600 Leute in einem Parlament</a> können vielleicht noch etwas erreichen, solang man ordentliche Regeln zur Gesetzgebung hat. Organisationen wie NGOs oder Parteien hingegen stehen hier vor der Wahl: basisdemokratische Entscheidungen behindern <a href="http://www.iswi.org">durch ihre Trägheit</a> oft eine effektive Entscheidungsfindung, gleichzeitig wären sie zur Einbeziehung der Mitglieder wünschenswert.</p>
<p>Soweit die analoge Welt. <strong>Im Web ändern sich nun aber die Spielregeln</strong>: direkte Kommunikation ist auf einmal <a href="http://twitter.com" target="_blank">trivial</a>; Gleichgesinnte zu finden erledigt oft die Informationsfabrik in der Wolke und um eine Gruppe von Menschen zu koordinieren braucht man nur eine Yahoo! Group oder ein Wiki. Liquid Democracy ist daher im Prinzip <strong>eine Wiki-Demokratie</strong>: Jeder kann Vorschläge einbringen, bestehende Ideen kommentieren und schließlich für oder gegen einen konkreten Antrag stimmen. Hinzu kommt <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Liquid_democracy#Delegated_voting">ein Twist</a>: wenn ich mich nicht qualifiziert fühle zu einem Themengebiet Entscheidungen zu treffen &#8211; oder schlicht keine Lust habe jeden Tag Wikiseiten zu lesen &#8211; dann steht mir frei, meine Stimme an einen anderen zu übertragen. Das kann für ein einzelnes Thema erfolgen, aber auch für einen ganzen Politikbereich.</p>
<p><a href="http://pudo.org/blog/wp-content/uploads/2009/09/adhocracy_button.png"><img class="alignright size-full wp-image-203" title="adhocracy_button" src="http://pudo.org/blog/wp-content/uploads/2009/09/adhocracy_button.png" alt="adhocracy_button" width="116" height="36" /></a>So entsteht eine neue Form der Demokratie, die wirklich verteilt, schnell und offen ist &#8211; ein richtiges Kind des Internet. Demokratisches Management wird damit zu einer pragmatischen Option für Organisationen, die ihre Mitglieder wirklich einbeziehen wollen &#8211; egal wo sie sich grade aufhalten und egal wann sie sich engagieren wollen.</p>
<p>Ein gutes Beispiel dafür ist die <a href="http://piratenpartei.de">Piratenpartei</a>, in deren Programm <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Liquid_Democracy">die Liquid Democracy seit der Gründung einen festen Punkt darstellt</a>. Besonders gefreut hat es mich daher, dass ich in Zukunft meinen eigenen Entwurf einer Liquid Democracy, <a href="http://adhocracy.cc">adhocracy.cc</a>, zusammen mit den engagierten Leuten beim Berliner Verein <a href="http://www.liqd.de">liqd</a> voran treiben und nach der Bundestagswahl vielleicht auch dem einen oder anderen Test innerhalb der Piraten unterwerfen kann.</p>
<p>Wer weiß: vielleicht werden wir in ein paar Jahren Liquid Democracy als etabliertes Tool des sozialen Webs in einem Atemzug mit Weblogs, Wikis und Social Networking Services nennen. Mich würde es freuen, denn so würde das Web auf seine eigene Art erwachsen &#8211; indem es lernt, seine eigenen Entscheidugnen zu treffen.</p>
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		<title>Krieg der ZEIT: Dies ist nicht Sparta!</title>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 12:15:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedrich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich mag ich die ZEIT. Nicht nur als Abonnent und Leser sondern auch als Teilnehmer zahlreicher ZEIT-Debatten habe ich mich seit einer Weile als, nunja, &#8230; Freund der Firma verstanden. Umso mehr ärgert es, dass für mich zunehmend der Eindruck entsteht, die Zeitung habe sich seit einigen Monaten zur Speerspitze des deutschen Bildungsbürgertums gegen &#8230; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eigentlich mag ich die ZEIT. Nicht nur als Abonnent und Leser sondern auch als Teilnehmer zahlreicher ZEIT-Debatten habe ich mich seit einer Weile als, nunja, &#8230; Freund der Firma verstanden. Umso mehr ärgert es, <a href="http://www.zeit.de/2009/15/Google">dass für mich</a> <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/5347.html">zunehmend</a> <a href="http://www.zeit.de/2009/22/Der-Intellektuelle">der Eindruck</a> <a href="http://www.zeit.de/2009/23/Internet-Grenze">entsteht</a>, die Zeitung habe sich seit einigen Monaten zur Speerspitze des deutschen Bildungsbürgertums gegen &#8230; das &#8216;Internet&#8217; ernannt.<span id="more-191"></span> In der wohligen Gewissheit, dass eine solche Behauptung &#8211; grade in einem Blog &#8211; von der Redaktion als &#8216;wüste Verschwörungstheorie&#8217; erkannt wird, hier meine etwas subjektive Rekapitulation der Angelegenheit. Und natürlich: es gibt immernoch die Artikel der <a href="http://www.zeit.de/online/2009/13/boyle-public-domain">&#8216;anderen Seite&#8217;</a> bei der Zeit &#8211; diese werden jedoch als <a href="http://www.zeit.de/2009/16/C-digitales-Publizieren">Antworten</a> <a href="http://www.zeit.de/2009/23/Internet-Freiheit">nachgeschoben</a>, in denen die größten Patzer der jeweiligen Polemik knapp eingefangen werden können.</em></p>
<h2>Dies ist nicht Sparta!</h2>
<p>Wer einen Krieg führen will, der braucht einen Feind. Am besten fängt man mit jemand an, der ohnehin allgemein als unvertrauenswürdig und gefährlich gilt. Im Internet ist das Google. Die haben Microsoft mittlerweile als Superbösewicht überrundet und gelten als Inbegriff des Personendaten-gegen-Shareholder-Value-Tauschers. Das ist ein klein wenig komisch, weil grade Google sich in dieser Hinsicht bisher wenig hat zu Schulden kommen lassen, aber die Möglichkeit zum Mißbrauch der gewonnenen Macht ist für eine Verurteilung mehr als ausreichend (An dieser Stelle. Beim Zensursula-Streit ist die Möglichkeit eines Mißbrauchs kein Anlass zur Sorge).</p>
<p>Dank der bestechenden <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/5347.html">Verbindungslogik</a> des <a href="http://www.textkritik.de/urheberrecht/">Heidelberger Appells</a> ist der Weg von Google zur Open-Access-Bewegung ein kurzer, die Verbindung zu den eng verschwisterten Creative Commons- und Internetpiraterie-Bewegungen ist gemacht. Wer also seine Fotos auf flickr lädt oder in der Wikipedia editiert ist schon impliziert, schliesslich hat er sich als Gegner des geistigen Eigentums bekannt und ist damit nicht nur libertärer Anarchist, sondern auch Brotdieb der denkenden Klasse dieser Welt. Diesen vorpubertär-kindlichen Technokraten steht eine Gruppe von &#8216;Internetexperten&#8217; zur Seite, deren Sachverstand durch einen schnellen Griff in die Zitatekiste des Heise-Forums eindrucksvoll demonstriert ist. (Die Unterscheidung zwischen seriösen Beiträgen und heise-Trolls ist dem Journalisten dabei aus strategischen Gründen vorbehalten, weil es gleichzeitig zu demonstrieren gilt, dass eine sachliche Diskussion in Internet nicht. möglich. ist.)</p>
<p>Drei weitere Werkzeuge helfen, den &#8216;Internetexperten&#8217; den Garaus zu machen:</p>
<ul>
<li>Erstens hilft es, die geistige Stabilität eines Menschen infrage zu stellen, dessen Computer quasi direkt mit üblester Kindesmisshandlung verdrahtet ist und der es dennoch wagt ohne distanzierendes Ave Maria den Browser zu öffnen.</li>
<li>Zweitens haben Lösungsvorschläge von &#8216;Internetexperten&#8217; nur dann Gültigkeit, wenn sie umfangreiche technische Maßnahmen vorsehen. Die Idee beispielsweise, mit umfassenderer Strafverfolgung und polizeilicher Ermittlungsarbeit Jagd auf Kinderschänder zu machen, erfüllt dieses Kriterium nicht. Hier muss den technokratischen &#8216;Internetexperten&#8217; also dringend technische Inkompetenz bescheinigt werden.</li>
<li>Als dritte und letzte Möglichkeit bleibt die Übernahme. Stellt sich heraus, das einer tatsächlich ein kompetenter Internetexperte ist, dann folgt, dass er im eigenen Lager anzusiedeln ist. Larry Lessig beispielsweise wird mit der Aussage zitiert, dass es durchaus möglich sei, die grundsätzliche Struktur des Internets so zu modifizieren, dass sie eine umfassende staatliche Kontrolle zulasse. Das könne man schließlich in jedem seiner vier Bücher zur Thematik nachlesen &#8211; in denen Lessig jedoch im weiteren Verlauf die Gefahr eines solchen Eingriffs beschreibt.</li>
</ul>
<p>Nach dem so der Gegner bestimmt ist, haben uns die letzten beiden Ausgaben der ZEIT einen Bick ins Lager der neuen bundesrepublikanischen Kreuzritter erlaubt: Das einfache Fussvolk nach Bundesbesoldungsordnung A kniet hier vor den Mamorstatuen der verteidigten Gottheiten: der Autor (in seiner Hand das Zepter des UrhG), der Wissenschaftler (dessen Triumphe im Podest von LexisNexis- und Elsevier-Journalausgaben verewigt sind) sowie in der Mitte der Intellektuelle an sich, der mit eiserner Peitsche die Dämonen der Nachfrage und der begrenzten Aufmerksamkeit in ihre Schranken weist.</p>
<p>Das von di Lorenzo &amp; Kollegen umsteckte Schlachtfeld ist damit ein wenig vermessen, aber für mich bleibt die Frage: Entspricht diese Zweiteilung der Meinungen tatsächlich der deutschen Realität? Muss ich wirklich entscheiden, ob ich der einen oder der anderen Seite angehöre? Kurzum: es ist ein kein wohliges Gefühl zum Feindbild des eigenen Informationsversorgers geworden zu sein. Neben reichlicher Selbstreflektion löst es noch eine ganz andere Frage aus: was, wenn das Meinungsblatt ZEIT zunehmend eine ganz besondere vertritt, nämlich: die eigene?</p>
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		<title>Searching for the mouse&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Dec 2008 21:34:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedrich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
&#8220;As todays four-year-olds know: if a monitor ships without a mouse, it ships broken.&#8221;: Clay Shirky auf der Web2Expo in SF und in Hochform   Es ist einfach eine Freude, den Mann sprechen zu hören! 
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			<content:encoded><![CDATA[<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="320" height="242" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://blip.tv/play/AbTSFIa8DQ" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="242" src="http://blip.tv/play/AbTSFIa8DQ"></embed></object><br />
&#8220;As todays four-year-olds know: if a monitor ships without a mouse, it ships broken.&#8221;: Clay Shirky auf der Web2Expo in SF und in Hochform <img src='http://pudo.org/blog/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  Es ist einfach eine Freude, den Mann sprechen zu hören! </p>
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		<title>Der Kult der Demokratisierung</title>
		<link>http://pudo.org/blog/2008/11/der-kult-der-demokratisierung/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 21:28:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedrich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ 
Die Konferenz zu Computervermittelter Kommunikation am IfMK begann heute mit einer Keynote des amerikanischen Dotcom-Exunternehmers und Internet-Kritikers Andrew Keen. In seinem Vortrag argumentierte Keen zum Thema Politik 2.0 &#8211; obwohl es auch der ein oder andere Gedankengang aus seinem furchtbaren Buch &#8220;The Cult of the Amateur&#8221; in die Rede schaffte.

Grob zusammengefasst versuchte Keen darzulegen, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> </p>
<p>Die <a href="http://www2.tu-ilmenau.de/cvk08/CVK_2008/Startseite.html">Konferenz zu Computervermittelter Kommunikation</a> am IfMK begann heute mit einer Keynote des amerikanischen Dotcom-Exunternehmers und Internet-Kritikers <a href="http://andrewkeen.typepad.com/">Andrew Keen</a>. In seinem Vortrag argumentierte Keen zum Thema Politik 2.0 &#8211; obwohl es auch der ein oder andere Gedankengang aus seinem furchtbaren Buch &#8220;The Cult of the Amateur&#8221; in die Rede schaffte.</p>
<p><span id="more-90"></span></p>
<p>Grob zusammengefasst versuchte Keen darzulegen, dass die technische Entwicklung im Web im Kontext der gesellschaftlichen <em>Demokratisierung </em>zu sehen sei. Unter Demokratisierung versteht Keen eine &#8216;libertäre Augenwischerei&#8217;, die sich im 20. und 21. Jahrhundert in drei Phasen entwickelt hat: zunächst politisch, in der Gegenkultur der sechziger Jahre; anschliessend als ökonomische Theorie in den Achtzigern und schliesslich als technisch-gesellschaftlicher Trend mit dem Internet.</p>
<p>Die Wurzeln der Idee sieht Keen &#8211; und das dürfte für <a href="http://www.econlib.org/library/Enc1/Reaganomics.html">Reagonomics</a> ein ziemliches Novum sein &#8211; im Histomat-Gedanken von Karl Marx: die Demokratisierung sei immer als Gegenbewegung zur herrschenden Klasse zu verstehen, also der Burgeoisie (Hippies), des big government (Juppies) oder der Mainstream-Medien (Techies). Schliesslich, so Keen, sei diese Bewegung jedoch zum Scheitern verurteilt, da sie die &#8211; angeblich befreite &#8211; Macht der Massen jeweils nur einer neuen Gruppe weitergebe. Konkret heißt das: die Web-Demokratisierung wird durch Google, Tim O&#8217;Reilly, Larry Lessig (?) und Wikipedia (?!?) zum Zweck des eigenen Profits propagiert. In Wirklichkeit konzentriere sich die Information &#8211; und damit auch die Macht &#8211; jedoch immer mehr bei einigen wenigen Akteuren.</p>
<p>Schliesslich versuchte Keen, sein Argument durch den gelungenen Wahlkampf von Barack Obama zu untermauern; etwa so: Wenn Obama Hitler wäre, dann wäre der populistische Internet-Wahlkampf des Amerikaners das Ende der westlichen Demokratie. Und da die Welt ein immer schlimmerer Ort wird können wir es uns nicht erlauben ein Medium zu betreiben welches so effektiv zur politischen Mobilisierung genutzt werden kann, wie dies im Internet der Fall ist.</p>
<p>Bevor ich mich &#8211; wie das für einen Tech-Fan unvermeidlich ist &#8211; den Schwachstellen der Keen-Rede zuwende, ein positiver Aspekt: die Idee der libertären Weltverschwörung finde ich in weiten Strecken plausibel, auch wenn der Gedanke <a href="http://www.amazon.de/Rebel-Sell-Counter-Culture-Consumer/dp/1841126551">nicht der neuste</a> ist und das Kampfwort &#8220;Demokratisierung&#8221; ziemlich unglücklich gewählt wurde. Ob Tim O&#8217;Reilly, Yogai Benkler oder Larry Lessing allerdings tatsächlich mit einer Kopie von &#8216;Atlas Shrugged&#8217; unter dem Kopfkissen übernachten, wage ich zu bezweifeln. Zwar beweist der Erfolg von Ron Paul in den republikanischen Primaries, dass der ökonomische Aspekt des Objektivismus unter den Netzbürgern eine große Anhängerschaft findet &#8211; grade die genannten Vorreiter dürften in dieser Hinsicht jedoch über eine wesentlich differenziertere Perspektive verfügen.</p>
<p>Als wirklich störenden Aspekt empfand ich dagegen Keens widersprüchliche Unterstellung, eine Demokratisierung politischer Kommunikation dürfe nicht mit ökonomischer Profitorientierung einhergehen und seine gleichzeitig abfällige Haltung gegenüber jeglicher Form freier und dezentraler Wissensproduktion.</p>
<p>Dazu gehörte zunächst die Unterstellung, der Marktwert von Internet-Unternehmen wie Google sei das Resultat einer planmässigen &#8216;Ausbeutung des Volkes&#8217; und damit die direkte Antithese zur <a href="http://www.google.com/intl/en/corporate/index.html">Google-Mission</a> (das Wissen der Welt zu organisieren und frei zugänglich zu machen). Keen verkennt hier, woher der Wert von Google, Inc. wirklich stammt: Google lässt durch die Effizienz seines Produktionsmodells zur Verarbeitung und Verbreitung von Information die klassischen Medien einfach ungeheuer alt aussehen. Damit meine ich nicht die von Keen konstatierte, ideologisch motivierte Jagd auf die Mainstream-Medien sondern schlicht ökonomisch-technische Überlegenheit (eigentlich verdient dieser Punkt noch eine gesonderte Ausführung, das sei jedoch auf ein anderes Post vertagt). So nimmt Google seine Profite auch nicht direkt aus dem Beutelchen der kleinen Leute, sondern aus den Werbe-Budgets der klassichen Offline-Medien. Dass Google dabei nicht selbst als Informationsproduzent, sondern lediglich als Vermittler auftritt irritiert Keen so stark, dass er nicht bereit ist, die Suchmaschine als Substitutionsprodukt für eine Zeitung, einen TV-Kanal oder eine Radiostation zu akzeptieren.</p>
<p>Noch seltsamer ist der zweite Aspekt: Keen&#8217;s Weigerung, die entstehenden, nicht-kommerziellen Informationsangebote im Web ernst zu nehmen. Dazu gehört implizit geäusserte die Annahme, Wikipedia und Co. seien Institutionen zur Ausbeutung naiver Weblinge. Demokratisierte Informationsproduktion kann also nicht wirklich passieren und wenn sie doch geschieht so ist sie in Wirklichkeit nichts anderes als die Ausbeutung der Teilnehmer.</p>
<p>Bevor jedoch Mitleid für die Wikipedianer aufkommt, sei hier gewarnt: Keen sieht sie gleichzeitig als die rechenschaftsfreien Oligarchen des Informationszeitalters. Diese Unterstellung basiert auf der Annahme, dass die Sicherung von Qualität und Verantwortung in einem anonymen Internet ein Widerspruch in sich sei. Vertrauen kann für Keen nur durch institutionelle Bescheinigung (akademische Qualifikationen, Mitgliedschaft in Organisationen oder Firmen oder gesellschaftliches Renomee) hergestellt werden, also nur durch Klarnamen. Die Unmöglichkeit von ad-hoc Meritokratien war schliesslich schon das Thema des Keen-Buches &#8220;Cult of the Amateur&#8221;. Wie sehr ich dieser These widerspreche wird in den kommenden Wochen vermehrt Gegenstand dieses Blogs sein, schliesslich ist grade dieser Aspekt Thema meiner angedachten Bachelorarbeit.</p>
<p>Schliesslich sei, um die Sache abzurunden, noch die Frage der Faschismusmaschine angesprochen. Ja, das Global Village hat seinen eigenen Sportpalast: oft führen abstruse politische Ansichten zu einer weitreichenden Öffentlichkeit. Dass diese Öffentlichkeit bisher in einer positiven politischen Entwicklung in den USA kulminiert ist, kann das Argument natürlich ebenso wenig entkräften wie die These, dass eben eine solche, massive politische Mobilisierung der einzige Weg sein wird um globale Themen wie Klimawandel, Kapitalismusreform (was auch immer das sein mag) und globale Gerechtigkeit voran zu treiben. Da ich auch nicht mein Vertrauen in die Vernunft der Menschheit aus der Versenkung zerren will, bleibt mir nichts anderes, als den Oppenheimer zu machen: Das Internet ist letztlich nur eine Maschine, die schnellen und starken Wandel in die Politik bringen wird. Wer dabei am Schalter sitzt ist eine neue Frage, die nur durch unsere Gesellschaft beantwortet werden kann.</p>
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		<title>Physische Rekursion?</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Oct 2008 13:42:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedrich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ob Rapid Prototyping tatsächlich in eine Zukunft der amateurisierten Industrieproduktion führen wird, weiß ich nicht. Die Idee, sich für Kaffeeautomaten oder neue Schuhe einen Bauplan im iTunes Store zu laden und anschliessend ein paar Plastikfetzen in einen Fab-o-maten zu werfen finde ich dennoch nicht nur als Sci-Fi-Fan spannend. Fabbing könnte eine interessante ökonomische und ökologische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ob Rapid Prototyping tatsächlich in eine Zukunft der amateurisierten Industrieproduktion führen wird, weiß ich nicht. Die Idee, sich für Kaffeeautomaten oder neue Schuhe einen Bauplan im iTunes Store zu laden und anschliessend ein paar Plastikfetzen in einen Fab-o-maten zu werfen finde ich dennoch nicht nur als Sci-Fi-Fan spannend. Fabbing könnte eine interessante ökonomische und ökologische Entwicklung einleiten und erproben wie weit die Digitalisierung wirklich gehen kann. </p>
<p><a href="http://pudo.org/blog/wp-content/uploads/2008/10/bot.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-66" title="Students Union Reception" src="http://pudo.org/blog/wp-content/uploads/2008/10/bot-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a>Warum erzähle ich hier so abgefahrenen Kram? Wie ich eben herausgefunden habe, ist es dem <a href="http://reprap.org/bin/view/Main/WebHome">offenen RepRap-Projekt</a> gelungen, einen sich selbst reproduzierenden Automaten zu entwerfen. <a href="http://reprap.org/bin/view/Main/RepRapOneDarwin">Der Bauplan</a> für das rudimentäre Gerät liegt natürlich in einem Wiki vor, wo die beteiligten Ingenieure Materialien, Hardware und Software diskutieren. </p>
<p>Für <a href="http://objects.reprap.org/wiki/Available_Files">besonders viel</a> taugt der aktuelle Prototyp wohl noch nicht: Kinderschuhe, Weingläser und ein Linux-Pinguin gehören zu den Höhepunkten des Archivs. Und was komplexere Produkte angeht fehlt wohl noch eine Menge Know-How. Aber wer weiß: vielleicht beglückt uns ja in fünf oder zehn Jahren die Nanotechnologie hier mit einem Durchbruch. Oder die harte Arbeit der RepRap-Hobbyisten zahlt sich aus. Spannend wär&#8217;s.</p>
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