November 12th, 2008  | Tags: , ,

Nachdem ich die Veranstaltung Digitale Kommunikation an dieser Stelle in den vergangenen Wochen mit großem Gusto gegeißelt habe ist es nur fair wenn hier auch mal was positives erscheint. Und nachdem die Dozenten in der gestrigen Vorlesung ankündigten, dass es keine verbindliche Klausur geben wird (so das IfMK sich nicht im politischen Grabenkampf zu ergötzen plant) ist Digitale Kommunikation genau das, was eine Veranstaltung zum Thema meiner Meinung nach sein sollte: Jazz.

Nachdem wir die ökonomischen und technischen Basics in den jeweiligen Fachvorlesungen gepaukt haben finde ich eine Veranstaltung in der wir ohne Schwimmflossen einach mal die verschiedenen Aspekte digitaler Services erkunden gerechtfertigt. Dass diese Freiheit Resultat eines gewissen Planungsdefizits ist würde ich in diesem Zusammenhang dann in die Schublade “interessante Zufälle/Fächer die ihrem Gegenstand näher sind als sie sein sollten/The Vorlesung is us(ing you)” einordnen.

Natürlich gibt es immer ein Problem mit Jazz: es ist nicht wirklich normale Musik und ziemliche Geschmackssache. Das heutige Seminar wird dieser Tatsache vermutlich erneut zum Opfer fallen.

Dass Herr Storbeck und meine Wenigkeit zudem eventuell die Option haben werden, einige uns besonders wichtige Aspekte der digitalen Welt in die Vorlesung einzubringen, reizt natürlich besonders. Aber dazu hoffentlich im Dezember mehr.

 

Die Konferenz zu Computervermittelter Kommunikation am IfMK begann heute mit einer Keynote des amerikanischen Dotcom-Exunternehmers und Internet-Kritikers Andrew Keen. In seinem Vortrag argumentierte Keen zum Thema Politik 2.0 - obwohl es auch der ein oder andere Gedankengang aus seinem furchtbaren Buch “The Cult of the Amateur” in die Rede schaffte.

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November 7th, 2008  | Tags: , , , ,

Wenn ich nur eine Fernsehserie mit auf die Insel nehmen könnte, es wäre The West Wing. Die Politserie wird nicht nur von guten Darstellern sondern besonders auch von einer interessanten Storyline getragen. So wurde während der letzten Staffel der Serie der Wahlkampf des jungen und hoffnungsträchtigen Kongressabgeordneten Matthew Santos um den Posten als Präsident der Vereinigten Staaten erzählt. An der Seite des Latino-Kandidaten steht dabei Josh Lyman, ein nicht ganz fiktionaler Charakter. Josh wird schliesslich, in der letzten Folge aus dem Mai 2006 zum Stabschef des Weißen Hauses.

Sein reales Vorbild, Rahm Emanuel, hat nur zwei Jahre länger gebraucht

Was lernen wir daraus? Das das Fernsehen die aktuellere Realität ist, vielleicht, und das grade schlechte Storywriter manchmal die besseren Propheten sind. Oder, dass beide Ereignisse vom gleichen Autor stammen: David Axelrod. Yes we can, again.

November 7th, 2008  | Tags: , , ,

Ganz kurz sei hier nur auf ein paar Seiten hingewiesen, die ich diese Woche besonders schick fand:

  • reAnimator generiert visualisierte Finite State Automaten aus beliebigen regulären Ausdrücken. Das sieht nicht nur gut aus, sondern wäre während meinem Praktikum bei FAST auch wirklich praktisch gewesen. 
  • Thema Visualisierungen: ein Periodensystem der Darstellungstechniken. Super strukturiert und beladen mit ein paar praktischen Ideen. Auch wenn die meisten Beispiele den Charme der Neunziger haben. 
  • Und, nachdem dieser Post ohnehin ans Geektum verloren ist: Worlds, eine Art Browser-Tabs als Programmiersprachenelement. 
Und nächste Woche: Schrödingers Katze in fünf Zeilen JavaScript. Ahoi. 
November 7th, 2008  | Tags: , ,

Bereits am Dienstag Abend fand die zweite Ilmenauer Campusdebatte statt. Das vom Publikum gewählte Thema “Dieses Haus fordert die Unabhängigkeit für Ilmenau” erwies sich als für eine Showdebatte sehr geeignet. Und obwohl ich gerne mit angemessenem Ernst auf die Reden der professoralen Opposition eingegangen wäre, erlaubten mir die witzigen Ideen der Dozenten nicht, ernst zu bleiben. Die von Benjamin Haendel, Christina Pahl und mir vertretene Forderung nach einem sozialistischen Gottesstaat Ilmenau fand - so mein Eindruck - auch im Publikum einen gewissen Anklang. Vielleicht sollte man die Idee weiter verfolgen. 

Dass wir dabei nicht immer ideal auf die Argumente der Gegenseite eingingen und unsere recht Steile Position nur vor Widersprüchen barst (”sozialistische Steueroase”) führte wohl dazu, dass die Jury der Debatte schliesslich für die Professoren entschied. Ich hoffe jedoch, dass die Debattenten des Wortkombinates bei einer Revanche im kommenden Sommer bessere Chancen haben werden. 

Ein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle an Wolfram, der liebenswürdigerweise hervorragende Fotos von der Veranstaltung angefertigt hat.

October 31st, 2008  | Tags: , , , ,

Ob Rapid Prototyping tatsächlich in eine Zukunft der amateurisierten Industrieproduktion führen wird, weiß ich nicht. Die Idee, sich für Kaffeeautomaten oder neue Schuhe einen Bauplan im iTunes Store zu laden und anschliessend ein paar Plastikfetzen in einen Fab-o-maten zu werfen finde ich dennoch nicht nur als Sci-Fi-Fan spannend. Fabbing könnte eine interessante ökonomische und ökologische Entwicklung einleiten und erproben wie weit die Digitalisierung wirklich gehen kann. 

Warum erzähle ich hier so abgefahrenen Kram? Wie ich eben herausgefunden habe, ist es dem offenen RepRap-Projekt gelungen, einen sich selbst reproduzierenden Automaten zu entwerfen. Der Bauplan für das rudimentäre Gerät liegt natürlich in einem Wiki vor, wo die beteiligten Ingenieure Materialien, Hardware und Software diskutieren. 

Für besonders viel taugt der aktuelle Prototyp wohl noch nicht: Kinderschuhe, Weingläser und ein Linux-Pinguin gehören zu den Höhepunkten des Archivs. Und was komplexere Produkte angeht fehlt wohl noch eine Menge Know-How. Aber wer weiß: vielleicht beglückt uns ja in fünf oder zehn Jahren die Nanotechnologie hier mit einem Durchbruch. Oder die harte Arbeit der RepRap-Hobbyisten zahlt sich aus. Spannend wär’s.

October 29th, 2008  | Tags: , , ,

Anathem ist der Titel des neuen Buches von Neal Stephenson. Stephenson gehört nach seinen Büchern Snow Crash, Cryptonomicon und der Barock-Triologie zu meinen Lieblingsautoren: ihm gelingt es, spannende Theorien und philosophische Gedanken in einer packenden Handlung zu erzählen. Das ist auch das Ziel des Fantasy-Romans Anathem.

Auf dem Planeten Arbre (der, wie sich später herausstellt, in einem parallelen Kosmos zu Laterre, der Erde, existiert) herrscht eine strenge Trennung zwischen den avout, Naturwissenschaftlern die wie Mönche in einem abgeschlossenen Konvent leben, und den saeculars, welche außerhalb der Klöster in einer Welt leben von der man nie so recht weiß ob sie einfach als Karrikatur des modernen Amerika oder doch als Endzeit-Szenario zu verstehen sei. Um in einem atheistisch-mystischen Unterfangen die theoretischen Tiefen der Physik, Philosophie und Kosmologie zu ergründen, sperren sich die avout in verschiedenen Orden für ein, zehn, hundert oder gleich tausend Jahre in ihr Kloster ein. Stephenson verspottet die schnelllebige Informationsgesellschaft, als Leser wird man von dem langsamen Tempo der Handlung immer wieder überrascht.

Gleichzeitig führt Stephenson den Leser in die Welt der modernen und weniger modernen Naturwissenschaft ein, in der neben Platonismus, Monaden, multi-kosmischen Realitätsmodellen, Nanotechnologien auch eine Vielzahl wissenschaftstheoretischer Überlegungen zur Sprache kommen.

Der spannende Plot und die unzähligen Ideen des Autors machen Anathem zu einem großartigen Buch. Wer sich von fast tausend Seiten fiktionaler Welt nicht abschrecken läßt, dem sei die Lektüre dringend ans Herz gelegt.

p.s. Auf der Webseite des Buches gibt es auch ein Video des Autors, der die Definition des arbrischen Begriffs “bulshytt” vorliest. Da bulshytt in diesem Blog oft als Tag zum Einsatz kommt, hier der Link.

October 29th, 2008  | Tags: , , , , , ,

Nach einigen Monaten Vorarbeit ist gestern das Projekt MEDIACAMPUS offiziell gestartet. Das Projekt soll in Zukunft helfen die Studenten der Medienstudiengänge in Ilmenau untereinander und mit Auftraggebern aus den Instituten und aus der Wirtschaft zu vernetzen. Im Zentrum stehen dabei die vielen Medien-Projekte, die im Verlauf des Studiums angefertigt werden müssen. Sie sollen auf dem MEDIACAMPUS präsentiert, und wenn alles gut läuft, in Zukunft auch kommentiert werden. Der MEDIACAMPUS will damit zum Dienstleister für Medien-Projekte werden, der zwischen Projekten, Projektinitiatoren und anderen Parteien vermittelt. 

Dabei leidet der MEDIACAMPUS unter einem Problem: die PR des Projektes ist wesentlich weiter als das eigentliche Konzept. Die neue Projekt-Homepage enthält daher im wesentlichen langweiliges Gefasel, welches nie einen Leser finden wird. Die Projektpräsentation ist zwar nicht hässlich, aber weder für eine echte, umfangreiche Präsentation der Projekte durch die Projektteams selbst noch zur Interaktion der Besucher mit den eingetragenen Projekten existiert eine Möglichkeit. Damit ist der MEDIACAMPUS eine schicke Facade, die es nun mit tatsächlicher Funktionalität zu befüllen gilt.

Lehrreich war in der Startphase des MEDIACAMPUS für mich der Umgang mit dem CMS typo3: Zwar halte ich das beliebte Content Management System immernoch nicht für ein besonders fröhliches Stückchen Software, aber einige der Windungen des TypoScript sind mir nun verständlicher. Die Komplexität der Module und die schier unendlichen Möglichkeiten zur Anpassung rechtfertigen doch zumindest einen Teil Design-Entscheidungen in diesem Software-Packet.

October 28th, 2008  | Tags: , , , ,

Meine Blogs fange ich gerne an indem ich sage worum es geht. Diesmal ist das nicht ganz einfach. Um eine Vorlesung, das wissen wir. Und um Sozialwissenschaft. Irgendwie. 

Vielmehr werde ich leider wohl nicht mitnehmen aus der zweiten Realvorlesung zur digitalen Kommunikation. Dabei kam noch einiges mehr zur Sprache, z.B. eine - was sag ich? zwei! - Taxonomie(n) der modernen Wissenschaft, Searles’ Sprechakttheorie, einige Theorien von Prof. Döring zur (digitalen) Identität und, wo wir grade dabei sind, Medienwahlmodelle. Zu jedem dieser Themen haben wir - in starken 66 Minuten - etwa so viel gehört wie man eben dem jeweils zutreffenden Wikipedia-Artikel im Abschnitt über dem Knick entnehmen kann. Dass wir die meisten dieser Themen in den ersten beiden Semestern unseres Studiums schon mal (ausführlicher) behandelt hatten ist sicher auch kein Zufall. 

Das Dilemma lässt sich, vermute ich, auf den Begriff der Interdisziplinarität zurückführen. Und so sehr ich davon begeistert bin, das Thema digitale Kommunikation interdisziplinär anzugehen: es ist zu umfangreich. Digitale Kommunikation ist Träger der drittgrößten Industrie dieses Planeten, Konsument unserer wachen Zeit, Thema des Studiums AMW. Also muss man sich etwas heraussuchen: Mensch-Maschine Interaktion. Mensch-Mensch Interaktion. Digitales Wirtschaften (can you say Finanzkrise? Scheinbar wurden die Credit Default Swaps welche AIG in die Insolvenz geworfen haben per Instant Messenger abgeschlossen). Digitale Kooperation. Und dieses Thema muss dann aus drei (oder mehr) Winkeln angeleuchtet werden. 

Was wir heute erlebt haben war das genaue Gegenteil: hundert Themen wurden mit dem Suchscheinwerfer sozialwissenschaftlichen Vokabulars überflogen, nicht einmal mit dem Hämmerchen theoretischer Kritik angekratzt. Für die KW 45 und 46 ist das gleiche aus ökonomischer und technischer Perspektive angekündigt. Helfe uns Gott, wenn es da genauso zugeht und die ökonomischen Theorien aus BWL, VWL, Medienöknonomie oder Medienmanagement wieder in der Wikipedia-Fassung drankommen. Oder die Inhalte aus der Informationstechnik, Medientechnik, Telematik und den ElDoks. 

Dabei stehen die Themenpakete auf dem Plan, um die es gehen sollte: Interaktivität. Soziale Beziehungen. Governance. Digital Divide und digital Natives. Jedes dieser Themen könnte man mit zwei oder drei Vorlesungen versehen. Tun wir noch commons-based peer production, die Frage nach den Nachrichten der Zukunft und ein wenig geistiges Eigentum in den Mix und es wird wirklich spannend. Und bitte hört mit diesem abtörnenden Vorspiel auf. 

Abschliessend: ich finde es schade wenn sich das Gefühl, mit dem man in eine Vorlesung geht, zunehmend von intensivem Interesse in (ebenso intensive) Angst wandelt. Nicht nur macht es unbehaglich, in solch einer Vorlesung zu sitzen - die Idee, zu diesem diffusen Schlachtfeld der Ideen eine benotete Klausur zu schreiben ist regelrecht unheimlich. Das Problem ist nicht, nicht lernen zu wollen. Das Problem ist, nicht zu wissen was zu lernen ist. 

Vielleicht sollten die zuständigen Lehrkräfte über eine alternative Prüfungsleistung nachdenken. Denn wenn ihr Teil des akademischen Spiels - eine Hürde aufzustellen - nicht geleistet wurde, dann ist es unfair von uns den Sprung zu erwarten.

Murgh. Aus meinem aktuellen Lieblingsblog: Sad guys on trading floors.

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