Friedrich Lindenberg

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EC-Studie zu Bezahldaten mit Fallstudien aus Deutschland

Im Rahmen der Initiative zur Erneuerung der Public Sector Information-Direktive hat die Europäische Kommission nicht zur einen spannenden ersten Entwurf vorgelegt (unsere Kommentare bereitet aktuell Hauke vor), sondern auch verschiedene Studien zum Thema PSI veröffentlicht. Eine besondere Erwähnung verdient dabei ein Papier zum Pricing Of Public Sector Information.

Nicht nur kommen die Autoren - Deloitte, Citadel und Tech4i2 - zu dem Fazit, dass eine Preissenkung von PSI ökonomisch sinnvoll ist - im Rahmen der Studie werden auch die in Deutschland üblichen Verdächtigen als Case Studies durchgegangen. Das Resultat ist ein spannender Einblick in die finanzielle Struktur deutscher Bezahl-Staatsdaten:

  • Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) verwaltet die Geodaten des Bundes und unterstützt - gegen Provision - die Länder beim Vertrieb ihrer Daten. Das ist auch notwendig, denn die elfeinhalb Mitarbeiter im Geodatenvertrieb erwirtschaften aus den Beständen des Bundes nur etwa 70000 Euro (S. 145). Bei einem Budget von 33.8 Millionen Euro sind das dann 0.2% des Finanzbedarfs des BKG.

  • Ähnlich geht es dem Deutschen Wetterdienst (DWD), der immerhin 50.5 der 215.9 Millionen Euro des eigenen Haushalts aus wirtschaftlichen Tätigkeiten bezieht. Auf den Verkauf von Daten gehen davon allerdings nur 9 Millionen zurück - 2 Millionen davon für Rohdaten. Immerhin 4.2% der Betriebskosten sind also von PSI abhängig. Im Verkauf sind zweieinhalb Planstellen vorgesehen.

  • Am erfolgreichsten betreibt den Verkauf von Staatsdaten die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (SenStadt), die in der Studie stellvertretend für die Bundesländer untersucht wird: immerhin 10.3% des Haushalts von 9.14 Millionen - also 945000 Euro - werden durch den Verkauf von Daten erwirtschaftet (S. 155). Spannend ist dabei die Einkommensstruktur: 600000 Euro erwirtschaftet die Senatsverwaltung mit Katasterauszügen, 95000 Euro durch Verkäufe einer Mietpreisdatenbank. Die verbleibenden 250000 Euro gehen auf Geodaten zurück, also den berühmten FISBroker. Wie viele der 120 Mitarbeiter mit dem Verkauf von Daten beschäftigt sind, geht aus der Studie leider nicht hervor.

Einigermaßen gut kommt unter den deutschen Beispielen in der Studie lediglich das Bundesamt für Statistik weg, die vor einigen Jahren auf ein Bereitstellungskosten-Modell gewechselt haben (und seither den Zugriff auf die eigenen Statistiken um den Faktor zehn steigern konnten, S. 334).

Was den Verkauf von Geodaten angeht wird die Situation noch ärmlicher, wenn man sich verdeutlicht, dass die Qualität von freien Angeboten wie OpenStreetMap die von vielen kostenpflichten Quellen mittlerweile deutlich hinter sich lässt. Zeiten, in denen die Erlöse - wie aktuell - stagnieren, werden bald die good old days sein.