Wenn an einem einzigen Tag die Tribune Company (mit Chicago Tribune und LA Times) bankrupt geht und die New York Times Company eine Hypothek auf das eigene Hauptquartier aufnehmen muss, dann braucht man keine Deutung: der US-amerikanischen Zeitungslandschaft geht es ziemlich mies.
Die genannten Gründe sind immer die drei gleichen: die Finanzkrise zerstört nicht nur die Möglichkeiten zur Finanzierung sondern auch den Werbemarkt und sinkende Abonnentenzahlen reduzieren das Einkommen der betroffenen Unternehmen. Gleichzeitig ist das Online-Geschäft der Zeitungen noch immer nicht profitabel, während die Werbedollars ins Internet abwandern.
Und während ich eine solche Entwicklung abstrakt schon eine Weile angenommen habe, bin ich überrascht wie schnell es nun abwärts geht. Nicht zuletzt, weil es noch kein voll entwickeltes Substitutionsprodukt zum Qualitätsjournalismus gibt. Das macht die Situation nicht nur für die betroffenen Unternehmen, sondern auch für die Bürger der USA besonders unangenehm. Solch einen Ersatz hatte man schliesslich immer irgendwie angenommen - aber HuffPo, DailyKos oder Drudge können diese Lücke ebenso wenig füllen wie die online-only-Ausgaben der traditionellen Zeitungen (siehe CSMonitor). Da muss selbst ich als hartgesottener Digitalisierungsfan die Handbremse ziehen und Bauchschmerzen bekommen.
Es wird also dringend Zeit, dass die reddit- und Digg-Leute mal die Köpfe zusammenstecken und eine Social-News-Seite entwickeln, die nicht innerhalb von Monaten zum Trollzoo degeneriert. Vielleicht sollten sie da Heise fragen.
Am vergangenen Donnerstag startete mit medienbewusst.de ein neues Portal im AMW-Umfeld. Mit dem Ziel, die ‘breite Öffentlichkeit’ über den Umgang von Kindern mit Medien zu informieren wurde die Seite von einigen fleißigen Kommilitonen als Medienprojekt umgesetzt.
Ich muss zugeben: ich bin beeindruckt von dem Aufwand, der mit diesem Portal betrieben wurde. Sponsoren wurden gefunden, prominente Schirmherren und - am wichtigsten - die Seite startete mit einem umfangreichen Ausgangsset von Artikeln. So umfangreich, dass man beinahe ein wenig verloren geht in den vielen Themengebieten und Texten.
Dieser Eindruck entsteht für mich jedoch auch dadurch, dass ich nicht zur Zielgruppe der Seite gehöre: weder habe ich ein Kind, eine Schulklasse zu unterrichten oder einen Kindergarten in meiner Gewalt. Da liegt vielleicht auch ein wenig das Problem der Seite: ich glaube das Portal hat keine richtige Niche für sich gefunden. Angesprochen werden sollen alle, die mit Kindern zu tun haben, Inhalte reichen von Wissenschaft bis Popkultur, bezogen auf ein sehr weites Spektrum unterschiedlicher Medien und die Seite selbst lässt sich sowohl als journalistisches Online-Magazin, Diskussionsforum, Promi-Charity oder gar PR-Publikation einer Branche verstehen.
Diese “ganz große Klammer” wirkt daher noch ein wenig gestelzt: die Seite wirkt zu journalistisch um eine eigene Community einzuladen, zu peppig um als Quelle wissenschaftlicher Ergebnisse Vertrauen zu erwecken und zu synthetisch um Eltern emotional anzusprechen. Schuld an letzterem sind vor allem die vielen Stock Fotos, die geschminkte Kinder in einer Welt ohne visuelle Tiefe darstellen - eine gefährliche Metapher.
Vielleicht muss man ein wenig kleiner ansetzen: ein Online-Magazin über Internet und Handy für interessierte Eltern. Wenn das Portal sich so einschränkt erleichtert das nicht nur den Zugriff zu inhaltlicher Tiefe, man kann auch eine bessere Navigation erstellen, die sich an Fragen orientiert die Eltern leicht beantworten können: Welche Medien nutzt mein Kind? Wie alt ist es? Was ist meine Sorge?
Das soll mich jedoch nicht von einem positiven Fazit abhalten: mit dem richtigen SEO kann medienbewusst.de einen sehr wertvollen Beitrag zum Sortiment der im Web verfügbaren Informationen zu bestimmten medienpädagogischen Fragestellungen leisten. Ob es sich bei diesen Beiträgen dann jedoch um Feuilleton oder Populärwissenschaft handelt, sollte dabei noch klarer gestellt werden um medienbewusst als Marke zu etablieren.
Sonntag morgen ist Datenordnenzeit. Immer eine leicht deprimierende Erfahrung, wenn man dabei auf hierarchische Systeme wie Dateisysteme oder (in diesem Fall) die in Safari integrierte Bookmark-Funktionalität angewiesen ist.

Aber, Hoffnung naht: ein nettes datenbankgemischtes Dateisystem wird spätestens in Windows 8, nein sagen wir 9 verfügbar. Und wenn del.icio.us (bzw. das zugehörige Safari-Plugin) sich irgendwann damit abfindet, dass es keinen Sinn macht 500 Tags in einem Dropdown anzuzeigen, wird vielleicht auch das noch für mich als Infomessy nutzbar.
“As todays four-year-olds know: if a monitor ships without a mouse, it ships broken.”: Clay Shirky auf der Web2Expo in SF und in Hochform
Es ist einfach eine Freude, den Mann sprechen zu hören!
Nicht wirklich medienwissenschaftlich hat sich für mich bislang der Dezember angelassen. Wo eigentlich meine Bachelorarbeit und der normale Uni-Betrieb im Vordergrund stehen sollte hat sich ein kleines, aber extrem zeitaufwändiges Hobby-Projekt mittlerweile in den Vordergrund gedrängt.
Und obwohl es sich dabei eigentlich um ein top-geheimes Undercovervorhaben handelt, wissen die meisten Leser dieses Blogs ohnehin, worum es geht: den whuffie dispenser, mittlerweile aka “reputes”. Mehr Informationen dazu, was ein “whuffie dispenser” ist, warum ich einen baue und wie der funktioniert wird es hier wohl bald geben.
Nicht vorenthalten wollte ich den werten Lesern dieses Blogs allerdings die obige Grafik, die von der aktuellen alpha-Version generiert wurde. Wer herausfindet, was es ist bekommt einen Glühwein von mir ausgegeben
Nachdem ich die Veranstaltung Digitale Kommunikation an dieser Stelle in den vergangenen Wochen mit großem Gusto gegeißelt habe ist es nur fair wenn hier auch mal was positives erscheint. Und nachdem die Dozenten in der gestrigen Vorlesung ankündigten, dass es keine verbindliche Klausur geben wird (so das IfMK sich nicht im politischen Grabenkampf zu ergötzen plant) ist Digitale Kommunikation genau das, was eine Veranstaltung zum Thema meiner Meinung nach sein sollte: Jazz.
Nachdem wir die ökonomischen und technischen Basics in den jeweiligen Fachvorlesungen gepaukt haben finde ich eine Veranstaltung in der wir ohne Schwimmflossen einach mal die verschiedenen Aspekte digitaler Services erkunden gerechtfertigt. Dass diese Freiheit Resultat eines gewissen Planungsdefizits ist würde ich in diesem Zusammenhang dann in die Schublade “interessante Zufälle/Fächer die ihrem Gegenstand näher sind als sie sein sollten/The Vorlesung is us(ing you)” einordnen.
Natürlich gibt es immer ein Problem mit Jazz: es ist nicht wirklich normale Musik und ziemliche Geschmackssache. Das heutige Seminar wird dieser Tatsache vermutlich erneut zum Opfer fallen.
Dass Herr Storbeck und meine Wenigkeit zudem eventuell die Option haben werden, einige uns besonders wichtige Aspekte der digitalen Welt in die Vorlesung einzubringen, reizt natürlich besonders. Aber dazu hoffentlich im Dezember mehr.
Die Konferenz zu Computervermittelter Kommunikation am IfMK begann heute mit einer Keynote des amerikanischen Dotcom-Exunternehmers und Internet-Kritikers Andrew Keen. In seinem Vortrag argumentierte Keen zum Thema Politik 2.0 - obwohl es auch der ein oder andere Gedankengang aus seinem furchtbaren Buch “The Cult of the Amateur” in die Rede schaffte.
Wenn ich nur eine Fernsehserie mit auf die Insel nehmen könnte, es wäre The West Wing. Die Politserie wird nicht nur von guten Darstellern sondern besonders auch von einer interessanten Storyline getragen. So wurde während der letzten Staffel der Serie der Wahlkampf des jungen und hoffnungsträchtigen Kongressabgeordneten Matthew Santos um den Posten als Präsident der Vereinigten Staaten erzählt. An der Seite des Latino-Kandidaten steht dabei Josh Lyman, ein nicht ganz fiktionaler Charakter. Josh wird schliesslich, in der letzten Folge aus dem Mai 2006 zum Stabschef des Weißen Hauses.
Sein reales Vorbild, Rahm Emanuel, hat nur zwei Jahre länger gebraucht.
Was lernen wir daraus? Das das Fernsehen die aktuellere Realität ist, vielleicht, und das grade schlechte Storywriter manchmal die besseren Propheten sind. Oder, dass beide Ereignisse vom gleichen Autor stammen: David Axelrod. Yes we can, again.
Ganz kurz sei hier nur auf ein paar Seiten hingewiesen, die ich diese Woche besonders schick fand:
- reAnimator generiert visualisierte Finite State Automaten aus beliebigen regulären Ausdrücken. Das sieht nicht nur gut aus, sondern wäre während meinem Praktikum bei FAST auch wirklich praktisch gewesen.
- Thema Visualisierungen: ein Periodensystem der Darstellungstechniken. Super strukturiert und beladen mit ein paar praktischen Ideen. Auch wenn die meisten Beispiele den Charme der Neunziger haben.
- Und, nachdem dieser Post ohnehin ans Geektum verloren ist: Worlds, eine Art Browser-Tabs als Programmiersprachenelement.

